Kreationismus
Als der britische Naturforscher Charles Darwin im 19. Jahrhundert sein wissenschaftliches Werk „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte und in seinen darin festgehaltenen Grundthesen die Entstehung des Menschen auf den Affen zurückführte und das Überleben verschiedener Arten als Prozess der natürlichen Auslese beschrieb, sorgte er für einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaftsgeschichte und der Geschichte der Menschheit im Allgemeinen.
Jedoch traf Darwins epochemachendes Werk nicht nur auf Zustimmung, vor allem in christlichen Kreisen weigerte man sich, den Thesen des Naturwissenschaftlers Glauben zu schenken und diese als empirische Tatsachen anzusehen.
Aus diesem Widerstand gegen die Evolutionstheorie entstand der Kreationismus. Etymologisch ist der Begriff zurückzuführen auf das lateinische Wort für „Schöpfung“creatio“. Tatsächlich negieren Anhänger des Kreationismus die Abstammung des Menschen vom Affen und die Entstehung der Arten, wie Darwin und seine Vorläufer sie beschrieben haben. Stattdessen gehen Kreationisten davon aus, dass die Welt und die Menschen durch das Wirken eines Schöpfergottes entstanden sind. Mit dieser Annahme berufen sie sich auf das 1. Buch Mose im Alten Testament, Genesis. Genesis schildert die Erschaffung der Welt und aller Lebewesen durch den christlichen Gott.
Die Position des Kreationismus besteht darin, die Entstehung des Universums und des Lebens auf der Erde zwar durch natürliche Vorgänge zu erklären, diesen jedoch das Eingreifen eines Schöpfergottes zuzusprechen. Dabei bestehen innerhalb der Theorie des Kreationismus gegenläufige Richtungen: Während die Befürworter der einen Seite an eine Creatio ex nihilo glauben, also an eine Schöpfung aus dem Nichts, nimmt die andere Seite ein zuvor existentes Chaos an, das in geordnete Zustände und Strukturen gebracht werden musste.
Besonders populär ist der Kreationismus bei den Evangelikalen sowie bei fundamentalistischen Anhängern des Christentums, die weiteste Verbreitung jedoch findet er in den Vereinigten Staaten. Vertreter der Position des Kreationismus kämpfen seit Jahrzehnten dafür, ihn als wissenschaftliche Theorie in den Biologieunterricht zu integrieren und in der Schule zu lehren, sie stoßen jedoch aufgrund der religiösen Ausrichtung und wegen der Unmöglichkeit der empirischen Nachweisbarkeit auf Widerstand.